Beim Kommunikationstag versammelte sich am 4. Mai 2023 die österreichische PR-Branche im Tech Gate Vienna. Das Event wird jährlich vom Public Relations Verband Austria (PRVA) veranstaltet und stand heuer unter dem Motto „lost in communication“. Inhaltlich beschäftigte sich der #ktag 2023 damit, wie Kommunikator:innen in Anbetracht aktueller Herausforderungen und Krisen Menschen wieder erreichen. Vor Ort diskutierten 50 Speaker:innen in Formaten wie Keynotes, Masterclasses, Talks, Diskussionsrunden und Impulsvorträgen über 27 Themen. Zentrale Fragestellungen zu einer konstruktiven Weltsicht, Diversität und dem Gegenrezept von Desinformation beleuchteten Keynote-Speaker wie Maren Urner, Pamela Rath und Martin Moder.

Konstruktive Kommunikation statt Alarmismus

Wie Kommunikator:innen trotz der Informationsflut und den Fehlentwicklungen in der Medienberichterstattung – Stichwort Clickbaiting – ihre Zielgruppen erreichen, erklärt PRVA-Vorstandsmitglied und Geschäftsführerin des Österreichischen PR-Gütezeichens Karin Wiesinger. Im Interview spricht sie über die gegenwärtigen Herausforderungen für Medienkonsument:innen, sich trotz Alarmismus und negativer Narrative zu informieren und Fakten von Meinungen trennen zu können. Die PR-Unternehmerin ist davon überzeugt, „dass diese Art der Berichterstattung zunehmend ungehört und ungelesen verhallen wird, da sich mehr und mehr Menschen von den klassischen Medien abwenden.“ Nachhaltig Menschen zu erreichen, gelingt mit nutzenorientierter Kommunikation, die sich an den unterschiedlichen Lebenswelten orientiert. Es wäre an der Zeit, mehr Ressourcen in positives Storytelling und die Recherche von spannenden Vorbildern und (lösungsorientierten) Beispielen zu stecken. Warum nicht Menschen Mut machen, statt sie mit negativen Nachrichten tagein tagaus zu bombardieren? Es wäre aber ebenso Aufgabe für Kommunikator:innen in Unternehmen, Institutionen und NGOs, alte Dogmen á la „Only bad news are good news“ zu überdenken und Kommunikationsinhalte stärker an den Bedürfnissen der Zielgruppen anzupassen. Und ja, jene zu kennen bzw. zu analysieren, müsse daher der erste Schritt für jede Kampagne und jedes PR-Konzept sein.

Wissenschaft, Weltanschauung und Miteinander

Den Vormittag eröffnete Maren Urner mit ihrer Keynote „wofür statt wogegen” auf der Bühne des Auditoriums. „Wir sind immer Aktivist:innen, wenn wir kommunizieren”, erklärte die Kölner Neurowissenschafterin und Medienpsychologin. Jedes kommunizierte Wort sorgt für Veränderungen im Gehirn der Empfänger:innen. Zu bewältigen laut Elmar Pichl, dem Sektionschef im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, gilt das kulturelle Prägungsproblem Österreichs, das Wissenschaft viel mehr gleichgültig, als skeptisch gegenübersteht. Es liegt also nicht an der fehlenden Information, denn „es gibt ganz viel gute Information, aber schlechte Information erzählt oft die bessere Geschichte“, argumentierte Molekularbiologe und Science Buster Martin Moder. Konstruktiver Informationstransfer für brisante Themen wie Klimaaktivismus ist nur mit sogenanntem „Komm-mit-ment“ jedes Unternehmens möglich. Das begründet Pamela Rath, Expertin für Arbeits- und Organisationspsychologie: „Wenn ich jemanden abhole, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er/sie mitkommt.“ Sie betont, dass DEI (Diversity, Equity and Inclusion) ein wesentlicher Hebel ist, um das Auseinanderdriften der Gesellschaft zu stoppen.

Zwischen Klimakrise, KI und Politik

Am Nachmittag diskutieren Katharina Gangl und Lena Schilling Maßnahmen für erfolgreiche Klimakommunikation. Beide sind sich einig: umweltfreundliche Entscheidungen müssen automatisiert werden. „Alle wollen die Umwelt schützen, aber wenn es darum geht das vegetarische Menü zu wählen oder mit dem Rad in die Arbeit zu fahren, scheitert dies an unserer eigenen Entscheidung”, bekräftigt die Verhaltensökonomin Katharina Gangl. Neben Nachhaltigkeit kann auch der technologische Fortschritt durch Künstliche Intelligenz (KI) konfliktträchtig sein. Für die einen Gefahr, für die anderen Chance. In seinem Vortrag unterstrich Oliver Heyden, Chief Strategy Officer von pressrelations, dass ChatGPT nur die Spitze des Eisbergs sei und Texte menschlicher Autor:innen von KI nicht mehr zu unterscheiden sind. Eingesetzt werden kann es beispielsweise als Ergänzung für die Texterstellung von Presseaussendungen, im Dokumentenmanagement, als Qualitätsüberprüfung, Sprachassistenz oder zur Bilderkennung. Dabei auftretenden rechtlichen Fragen wie „Wer ist Urheber:in des Werks?“ oder „Wie DSGVO-konform ist ChatGPT?“, sowie dem ethischen Dilemma „Wer haftet bei Schaden?“ widmet sich Alexandra Ciarnau Co-Head der Digital Industries Group bei DORDA Rechtsanwälte. Sie hält fest: „Die KI selbst kann nicht Schöpfer sein, nur natürliche Personen können das.“ Erst der AI Act wird über den Einsatz von KI auf EU-Ebene klare Antworten liefern.

Politiker und Kabarettist Dominik Wlazny gab im Talk „Campaigning neu gedacht” wiederum einen Einblick in seine Vorgehensweise im Wahlkampf der Bundespräsidentschaftswahl 2022. Die Botschaften auf seinen Plakaten waren nicht bloß leere Floskeln – er verschriftlichte eigene Anliegen: „Ich finde, dass man seine Nachricht immer selbst glauben soll, bevor man sie kommuniziert”, so seine Conclusio.

Der #ktag 2023 lebte von angeregten Diskursen, fachübergreifenden Kommunikationsexpert:innen und seiner Praxisnähe. Es wurden Botschaften vermittelt, die in Erinnerung bleiben und Kommunikationswege aufgezeigt, die Menschen weiterhin erreichen, inspirieren und bewegen.

Die Autorinnen

Marie-Celine Tausend, Hanna Strohmayer und Anna Rossmann sind Studentinnen des Studiengangs Marketing und Kommunikation an der FH St. Pölten.

Fotocredits:
Privat/ PRVA Public Relations Verband Austria/APA-Fotoservice/Hörmandinger
Fotograf/in: Martin Hörmandinger