Seit Jahren dominieren die sozialen Netzwerke die Downloadraten in den App Stores. Während die Eigenschaften der großen Player Facebook, Instagram und co. zunehmend verschmelzen, trat vor einigen Monaten ein neuer Mitstreiter am Markt auf: Clubhouse, die audio-basierte Live Podcast App mit Interaktionsfunktion. Aber was steckt tatsächlich hinter diesem Phänomen und erfüllt diese Plattform auch das was sie verspricht? Ist Clubhouse, die neue Elite der sozialen Netzwerke oder eine weitere App die rasch an Bedeutung verliert?

You got an invite!

Was Clubhouse so elitär wirken lässt, ist einfach erklärt: Die App kann im Gegensatz zu vielen anderen sozialen Netzwerken nicht einfach von jeder Person installiert werden, sondern ist nur für iPhone NutzerInnen zugänglich. Zudem wird ein Einladungslink benötigt, oder andere NutzerInnen müssen ihre Kontakte von der Warteliste nehmen. Sobald man zugelassen wird, empfiehlt die App ihren NutzerInnen Interessensbereiche auszuwählen, um in weiterer Folge auf die Bedürfnisse der TeilnehmerInnen zugeschnittene Räume vorschlagen zu können. Doch wie genau kann man sich denn so einen Raum vorstellen? Clubhouse-Räume sind eine Art Sprachkanäle, bei denen der Fokus alleinig auf den Stimmen der SprecherInnen liegt. Dabei unterscheidet die App zwischen drei verschiedenen Berechtigungen: ModeratorIn, SprecherIn und ZuhörerIn. Der Gedanke hinter dem Konzept von Clubhouse ist einfach – die NutzerInnen sollen miteinander Geschichten teilen, Diskussionen führen und gemeinsame Ideen entwickeln. Des Weiteren bietet die Plattform die Möglichkeit sich mit neuen Menschen zu vernetzen. Dabei können neue Kontakte geknüpft werden, welche sich nicht nur auf den privaten Bereich beschränken, sondern ebenso das berufliche Netzwerk erweitern können. Im Gegensatz zu den üblichen Funktionen der sozialen Medien, können NutzerInnen keine Kommentare verfassen oder Likes vergeben. Der schriftliche Austausch fällt ganz weg, denn wenn man sich in einem Raum mit einer wörtlichen Meldung beteiligen will, verlangt die App nach einem Handzeichen, sodass der/die ModeratorIn die jeweiligen NutzerInnen freischalten kann.

Doris Christina Steiner, Managing Director Digital bei Ketchum Publico, nutzt ebenso die neue Plattform und setzt diese gezielt ein. „Es braucht eine Person bzw. eine/n SprecherIn als RepräsentantIn eines Unternehmens, denn diese App ist sehr Personenzentriert. Man kann zum Beispiel Agenda-Setting betreiben, Themenführerschaft mit praktischen Themen.“ Grundsätzlich vertritt Doris Steiner dennoch die Meinung, dass es jedenfalls auf die Zielsetzung bzw. auf die unternehmerischen Tätigkeiten sowie dessen Intentionen ankommt.

Iridium-Flare?

Wie eine Rakete flog Clubhouse in den letzten zwei Monaten die App-Store Charts hinauf. Interessant zu wissen ist jedoch, dass die App eigentlich schon seit März 2020 für iPhone-BesitzerInnen erhältlich ist. Wie kam es dazu, dass die App erst ein Jahr später so schnell an NutzerInnen gewann?

Grundsätzlich gibt es keine festzulegenden Anzeichen dafür, dass ein bestimmter Event den Hype ausgelöst hat, dennoch lassen sich mehrere Faktoren feststellen, welche den starken Andrang begründen könnten. Unter anderem haben große Persönlichkeiten wie zum Beispiel der amerikanische Schauspieler Ashton Kutcher oder auch die deutsche Influencerin bzw. Unternehmerin Carmen Knoll (@carmushka) im großen Rahmen auf den eigenen Profilen anderer sozialen Medien über die App berichtet. Des Weiteren macht sich Clubhouse die steigende Popularität der Podcasts zu Eigen.

Nachdem sich die Gründer der App, Paul Davidson und Rohan Setz, über einen großen Ansturm Mitte Jänner freuen konnten, ist es mittlerweile etwas ruhiger um die App geworden. Kann man deshalb die Behauptung aufstellen, dass sich die App als Eintagsfliege entpuppt hat?

Gewitterstürme ziehen auf

Wenn sich etwas so schnell an Beliebtheit erfreut, dauert es nicht lange, bis negative Stimmen laut werden. Hier ist es nicht anders. Datenschutz, die ausschließliche Nutzung für iPhone-BesitzerInnen, obligatorische Einladungen, mangelnde Kontrolle der Inhalte, sowie Unvorhersehbarkeit sprechen nicht unbedingt für Clubhouse.

Clubhouse nimmt die Gespräche auf, um die Einhaltung der Kommunikationsregeln gewährleisten zu können. Ebenfalls greift die App auf die Kontakte zu. Wer allerdings Whatsapp in Verwendung hat, sollte mit Clubhouse kein Problem haben. Doris Steiner rät davon ab, sich mit dem eigenen Diensthandy bei Clubhouse zu registrieren, da die App verlangt, dass das eigene Telefonbuch freigegeben wird und somit die sensiblen Daten Clubhouse frei zur Verfügung stehen.

Das Programm von Clubhouse ist nur für iOS zugänglich. Diese Einschränkung soll jedoch bald behoben werden, denn dann soll die App auch für Android NutzerInnen zur Verfügung stehen, womit die Verknappung und damit einhergende Exklusivität der App abnehmen würde.

Die sozialen Plattformen kämpfen mit Falschinformationen und Hetze. In Clubhouse gibt es keine Kontrolle der Räume, das bedeutet, dass einzelne Personen Informationen, ohne jegliches Filtern rassistischer, sexistischer oder falscher Aussagen, verbreiten können.   Allerdings hat sich Clubhouse diesem Problem mittlerweile angenommen und hat eine Meldefunktion eingeführt, durch die genau dem entgegengewirkt werden kann. Doris Steiner äußert diesbezüglich ebenfalls Kritik an der App: „Es gibt keine Community Guidelines, wie eigentlich jedes Social Network es haben soll und Clubhouse ist ein Social Network“. Des Weiteren merkt sie an, dass die Inhalte nicht gelöscht bzw. gemeldet werden können, wie dies bei anderen Plattformen der Fall ist. Ingrid Gogl, Leiterin des ÖBB Newsrooms teilt diese Meinung und würde ein Community Management seitens der App empfehlen.

Podiumsdiskussion oder virtueller Talk?

Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben sich nicht viele Unternehmen diese App zu Nutze gemacht, dennoch zeigt Clubhouse Potenzial in den Marketing Mix integriert zu werden. Unternehmen bzw. MitarbeiterInnen haben durch das Erstellen eines Profils die Möglichkeit in direkten Kontakt und damit auch Austausch mit den KundInnen treten zu können. Die Pandemie hat weiterhin die Welt fest im Griff, nichtsdestotrotz ergeben sich dadurch auch neue Chancen. Durch Clubhouse können Live-Events mit persönlichem Faktor kreiert werden. Für die Steigerung des Interesses gegenüber einem Unternehmen, können Einladungen an ExpertInnen ausgesprochen werden, welche in weiterer Folge zu gesellschaftsrelevanten Themen Diskussionen führen. Dabei kann das Repertoire auf InfluencerInnen und andere öffentliche Persönlichkeiten erweitert werden. Dennoch sollte stets darauf geachtet werden, dass die auserwählten SprecherInnen zum Unternehmen an sich passen. Clubhouse kann als Hilfsmittel verwendet werden, um ein Unternehmen nahbarer und aufgeschlossener zu positionieren, dadurch können persönlichere Beziehungen inszeniert werden. Des Weiteren können Unternehmen die NutzerInnen hinter die Fassade blicken lassen, im weiteren Schritt sogar Meinungen zu aktuellen Kampagnen einholen.

Wie es mit Clubhouse wohl weitergehen wird? Die Frage, ob die Audio-App sich doch noch durchsetzen wird, oder als Eintagsfliege gänzlich verschwindet, bleibt offen. Doris Steiner hat jedoch eine klare Meinung zum Zukunftspotential: „Wenn sich die App nicht weiterentwickelt, dann wird es das im Sommer gewesen sein. Vor allem Such bzw.- Terminierungsfunktion fehlen noch. Die Plattform ist noch nicht sehr User-freundlich.“  Auch Ingrid Gogl sieht die Chancen für Clubhouse eher negativ und vermutet, dass die hohe Beliebtheit der App auch auf die Pandemie und die eingeschränkten Möglichkeiten die eigenen KollegInnen zu sehen oder an Talks teilzunehmen zurückzuführen ist: „Es ist bereits jetzt zu beobachten, dass viele andere Netzwerke ähnliche Features wie Clubhouse anbieten und natürlich ist es bequemer, wenn ein gewohntes Netzwerk eine Funktion anbietet, die man gerne zusätzlich nutzen möchte. So muss man nicht für alles eine eigene App verwenden. Ich denke, eine gewisse Community auf Clubhouse wird bleiben, aber es gilt zu beobachten, wie sich das noch entwickelt.“

Die Autorinnen: 

(Vlnr): Mona Jäger, Manou Ilunga und Paulina Frömmel sind Studentinnen der FH St. Pölten des Studiengangs Marketing und Kommunikation.

Für diesen Beitrag gaben Doris Steiner, Managing Director Digital bei Ketchum Publico und Ingrid Gogl, Leiterin des ÖBB Newsrooms, Interviews zu ihrer Expertise.